Naughty Dog’s The Last of Us Online Reportedly Lost Hundreds of Millions
Naughty Dog hat offenbar einen extrem teuren Umweg im Live-Service-Geschäft hinter sich: Für ein Multiplayer-Spiel mit dem Arbeitstitel „The Last of Us Online“ sollen nach Angaben eines Bloomberg-Journalisten „hundreds of millions of dollars“ in die Entwicklung geflossen sein – obwohl das Projekt nie veröffentlicht wurde. Ende 2023 wurde die Arbeit überraschend gestoppt, das Spiel verschwand anschließend in der Schublade.
Das Studio hatte mehrere Jahre an einem großen Mehrspieler-Vorhaben gearbeitet, das ausgerechnet auf einer der bekanntesten Marken des Unternehmens basieren sollte. Über den genauen Entwicklungsstand gab es dabei lange Zeit kaum greifbare Informationen für die Öffentlichkeit; am Ende konnten Spieler offenbar nicht mehr als einzelne Artworks zum Projekt sehen. Weder ein Early-Access-Start noch ein späteres Comeback gehörten zur Geschichte, weil „The Last of Us Online“ nicht bis zur Veröffentlichung kam.
Die Idee dahinter entstand im Umfeld der bisherigen „The Last of Us“-Releases. Bereits beim ersten Teil existierte ein Multiplayer-Modus, der bei Teilen der Community gut angekommen war. Viele Fans rechneten deshalb damit, dass Naughty Dog einen ähnlichen Ansatz auch bei „The Last of Us Part 2“ wieder aufgreifen würde. Noch bevor „Part 2“ erschien, stellte Naughty Dog jedoch klar, dass das Abenteuer von Ellie und Co. ohne Multiplayer veröffentlicht werde. Gleichzeitig betonte das Studio, dass die Online-Pläne keineswegs beendet seien.
Aus diesen Plänen entwickelte sich offenbar im Lauf der Zeit ein eigenständiges Multiplayer-Spiel statt eines einfachen Online-Modus, der an „The Last of Us Part 2“ angehängt worden wäre. Das Projekt wuchs dabei wohl stetig in Größe und Anspruch, bis Naughty Dog selbst das Vorhaben als eines der bislang umfangreichsten Projekte bezeichnete. Konkrete Details hielt das Studio bis zum Ende zurück. Bekannt war unter anderem, dass Teile des Spiels in San Francisco angesiedelt sein sollten, und dass das Vorhaben über längere Zeit mit neuen Inhalten versorgt werden sollte.
Mit der Entscheidung für einen Live-Service-Ansatz kam jedoch offenbar der nächste große Konflikt: Ein Live-Service-Spiel ist nicht nur Entwicklung am Anfang, sondern bindet danach dauerhaft Ressourcen für neue Inhalte, regelmäßige Updates und langfristige Betreuung – und muss zudem Einnahmen generieren. Als Naughty Dog die Einstellung des Projekts im Dezember 2023 bekannt gab, führte das Studio genau diese langfristige Bindung als Problem an: Hätte man „The Last of Us Online“ veröffentlicht, wären dauerhaft immer mehr Kapazitäten in die Produktion neuer Inhalte geflossen.
Damit stand das Studio vor einer grundlegenden Weichenstellung: Entweder große Teile des Teams über längere Zeit an ein einziges Live-Service-Projekt zu binden oder wieder stärker auf mehrere Singleplayer-Vorhaben zu setzen. Naughty Dog entschied sich für die zweite Option. Für Fans von „Uncharted“ und „The Last of Us“ wirkt das zunächst konsequent, weil das Unternehmen damit wieder Platz für weitere größere Projekte schaffen wollte – allerdings lag zu diesem Zeitpunkt bereits seit Jahren Arbeit am Online-Spiel.
Besonders schmerzhaft dürfte die finanzielle Dimension gewesen sein. Jason Schreier spricht von „hundreds of millions of dollars“, die in „The Last of Us Online“ geflossen sein sollen. Weder Sony noch Naughty Dog haben bislang eine konkrete Summe offiziell genannt. Zahlen wie 200 oder 300 Millionen Dollar werden ausdrücklich als Spekulation eingeordnet, weil dafür keine belastbare Zahl vorliegt. Fakt bleibt: Das Geld wurde nicht in ein veröffentlichtes Spiel investiert, das sich über Monate oder Jahre amortisieren konnte. „The Last of Us Online“ kam gar nicht auf den Markt.
Hinzu kommt, dass es personell offenbar ebenfalls kein kleines Nebenprojekt war. Schreier widerspricht der Vorstellung, Naughty Dog habe in dieser Zeit schon weitgehend am nächsten großen Singleplayer-Titel gearbeitet. Stattdessen soll ein großer Teil der Beschäftigten mehrere Projekte parallel unterstützt haben – inklusive „The Last of Us Online“ sowie Remake- und Remaster-Arbeiten im „The Last of Us“-Umfeld. Das wird auch im Kontext von „Intergalactic: The Heretic Prophet“ relevant: Dieses Sci-Fi-Spiel soll zu Beginn der Online-Phase noch nicht von der Mehrheit des Studios entwickelt worden sein. Erst als Naughty Dog Ende 2023 „The Last of Us Online“ stoppte, konnten viele Mitarbeitende zu „Intergalactic“ wechseln.
Rückblickend war „The Last of Us Online“ damit mehr als nur ein gestrichtes Multiplayer-Experiment. Naughty Dog wollte ein großes, langfristig betriebenes Online-Spiel aufbauen und hat dafür nicht nur Jahre an Entwicklungszeit investiert, sondern auch erhebliche Teile des eigenen Teams gebunden. Ob die Entscheidung, den Live-Service-Ansatz zu beenden, sich am Ende als richtig erweisen wird, wird erst die Zukunft zeigen – „Intergalactic“ wird frühestens 2027 erwartet. Sicher ist jedoch: Wenn Schreiers Angaben stimmen, ist die Rechnung für ein Spiel, das nie erschien, enorm.
